… ein Jahr nach einjahrpause …

Im letzten Post hatten wir angekündigt, dass wir uns von Deutschland aus bestimmt nochmal melden, wie es uns nach unserer Rückkehr ergangen ist. Vielleicht haben wir das etwas unterschätzt und der umgekehrte Kulturschock und das Wiederankommen in der Heimat und im Alltag zogen sich doch länger hin, als wir beide das erwartet hätten. Es hat also tatsächlich ein ganzes Jahr gedauert, bis wir uns an diesen Beitrag endlich herangewagt haben. Ein Jahr Pause also war nötig nach einjahrpause.

Vor Abreise in unser Sabbatical besuchten uns Franzi, Tine und Sonja am Flughafen Frankfurt. Exakt auf den Tag genau 2 Jahre später entschieden wir uns spontan, Franzi in Frankfurt (Main) zu besuchen. Auf dem Weg an die Ostsee machten wir also einen Übernachtungs-Stopp bei ihr, eine Nacht schliefen wir auf einer Straußenfarm über Landvergnügen in der Nähe von Leipzig und eine Nacht in Berlin bei Magda. Auf der Straußenfarm fühlten wir uns sofort zurückversetzt an die tolle Straußenfarm in Südafrika in der Nähe vom DeHoop-Nationalpark. Und auch der gesamte Roadtrip brachte viele Erinnerungen an unsere lange Reisezeit wieder hoch, die Wohnungen unserer Freunde erinnerten an die vielen AirBnB-Unterkünfte, der fremde türkische Supermarkt in Berlin ließ unser Herz höher schlagen und die Summer-Rolls bei Franzi erinnerten uns an viele Mittagessen auf unserer Reise. Mit dem Wohnwagen „on the road“ fühlt sich vieles gleich ähnlich an, wie in Australien oder Neuseeland während unserer Roadtrips. Ja, richtig, wir haben unseren Traum endlich in die Tat umgesetzt und sind nun stolze Besitzer eines spätpubertären Wohnwagens (17 Jahre alt, aber tipptopp in Schuss), der uns zukünftig viele schöne Kurztrips in Deutschland ermöglichen, aber auch unsere Geografie-Kenntnisse in Europa erweitern soll.

Das Fernweh ist seit unserer großen Reise stärker denn je und trieb uns das letzte Jahr immer wieder die Tränen in die Augen. Erst seit Pfingsten fühlen wir uns beide wirklich wieder zu Hause in Deutschland und haben die Weltreise soweit verarbeitet, dass wir mit Freude und nicht mit Trauer und Fernweh in Erinnerungen schwelgen und Fotos oder Videos ansehen können. Im März diesen Jahres überkam uns nochmals ein riesiger Schwall an Dankbarkeit, als wir in unseren Facebook- und anderen Reisegruppen verfolgen mussten, wie viele Menschen durch Corona ihre Reisen unter- oder abbrechen mussten und ihre Pläne komplett über den Haufen schmissen. Was haben wir für ein Glück gehabt, diese Reise noch vor der Pandemie so sorglos und frei erlebt zu haben – wer weiß, wann oder gar ob so etwas wieder möglich sein wird.

Dankbarkeit empfanden wir auch während der kompletten Corona-Zeit: So lange die größte Sorge das zuneige gehende Klopapier ist, hat man wirklich keine Sorgen im Leben. Durch unseren immer noch regen Kontakt nach Uganda wird einem immer wieder klar, wie gut man es in Deutschland hat. Eben durch diese Erfahrungen und den immer noch andauernden Kontakt schätzt man die einfachen Dinge zu Hause doch weiterhin deutlich mehr. In Uganda geraten die Menschen mittlerweile durch die Auswirkungen der Pandemie (Lockdown seit März) völlig an ihre Grenzen. Lebensmittelpreise schießen in die Höhe, Löhne werden schon lange nicht mehr bezahlt und die Zukunft vieler unserer Freunde ist ungewiss. Natürlich haben wir vor einigen Monaten mit Hilfe einer Stiftung versucht mit einer Finanzspritze die Not dort vorübergehend etwas zu mildern.

Die Ostsee als Reiseziel entstand durch Corona (Urlaub im eigenen Land). Die Richtung (Norden) hatten wir über den Wunsch, Norwegen zu bereisen, schon festgelegt. Ein kleiner Campingplatz fand sich zum Glück noch, auf dem wir 2 Wochen reservieren konnten. Trotz sehr gemischtem Wetter und dem Sturmtief Kirsten genießen wir die Zeit hier sehr. Zweieinhalb Strandtage, 3 tolle Fahrradtouren, diverse Strandspaziergänge und mehrere Städtetrips und Treffen mit Freunden und Familie machten den Aufenthalt sehr abwechslungsreich und machen uns den Abschied nicht leicht.

Gerade sitzen wir im Wohnwagen und einmal mehr sind wir dankbar: Vieles, was uns das vergangene Jahr hier in Deutschland nach unserer großen Reise genervt hat und Kraft und Anstrengung gekostet hat, hat sich nun in den letzten 2-3 Monaten in eine tolle Richtung entwickelt. Zwischenzeitlich hatten wir nach der Reise das Gefühl, das nichts so richtig klappen wollte: Der Kauf des Wohnwagens zog sich über ein halbes Jahr in die Länge. Die Pläne zum Sesshaftwerden oder doch in Miete wohnen zu bleiben gestalteten sich schwierig und wir waren zunehmend verunsichert und genervt. Rektor- und Konrektorenstellen waren in greifbarer Nähe und mussten gegen die Familienplanung abgewogen werden. Typisch deutsch und uns eigentlich mittlerweile gar nicht mehr so sympathisch und vertraut: Alles geplant, wenig Spontanität oder Flexibilität. Die Freiheit fehlt.

Vieles davon scheint sich nun in Wohlgefallen aufgelöst zu haben, und wir freuen uns ganz besonders, dass wir ab 2021 sogar zu dritt unsere nächsten Schritte und Zukunft planen und bestreiten können.

5 Gedanken zu „… ein Jahr nach einjahrpause …

  1. Vielen Dank für die Nachbetrachtungen, Ist-Stand-Beschreibungen (Gratulation von Camper zu Camper zum 1. glorreich beglückenden Wohnwagensommer) und natürlich nochmals herzlichen Glückwunsch zur beschlossenen und erfolgten Familienentscheidung.
    Alles Liebe,
    Lydia + Jurij

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  2. Hallo Miri, ich kam vorher von einem anstrengenden Tag nach Hause und hatte deine Mail entdeckt, da guck ich nicht so oft, das ist die Familienmail☺️Das tat grad so gut, von deinen Reiseerlebnissen zu hören und vor allem zu sehen👍Ich freue mich sehr für euch, hatte schon von Susanne gehört, dass es dir sehr gut geht. Genieß die Zeit mit dem kleinen Menschen im Bauch, das ist was wunderbares. Sei herzlich gegrüßt. Sibylle

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